Lohnt es sich die eigene Photovoltaikanlage selbst zu reinigen?

Die Theorie

Vorüberlegung und Planung beim Selbst-Reinigen:

Der Betrieb einer Photovoltaikanlage muß rentabel sein. Deshalb überlegt mancher, ob es sich lohnen würde die eigene Photovoltaikanlage selbst zu reinigen. Von der Stange gibt es Reinigungssysteme von €100.- bis über €10.000.-. Möchte man kein Spielzeug, wird man zumindest € 2.000 bis € 3.500 investieren müssen.

Zum Nachdenken:

  • wie oft kann ich den Solarreiniger für diesen Geldbetrag buchen?
  • was brauche ich darüberhinaus, um die eigene PV-Anlage gefahrlos reinigen zu können?
  • habe ich das Know-How, um meine Photovoltaik Module richtig zu reinigen?

 

Die Erfahrung mit selbst gereinigten PV Anlagen

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viele Photovoltaikanlagen gereinigt, die zuvor vom Anlagenbetreiber oder einem Mitarbeiter gereinigt wurden. Die meisten dieser Photovoltaikanlagen waren in einem sehr schlechten Zustand. Die Module waren mit Flechten und Moos bewachsen. Es gab sehr hartnäckige Schmutzreste, Es gab auch Wisch- und sogar Kratzspuren. Es gab auch immer wieder viele unerkannte Modulschäden.

 

Gründe und Ursachen

Wer ein Handwerk noch nie ausgeführt hat, weiß nicht um was es wirklich geht. Eine Photovoltaikanlage zu reinigen ist etwas völlig anderes als ein Auto zu waschen oder Fenster zu putzen. Deshalb waren die meisten Selbst-Reiniger bereits stolz und zufrieden, wenn sie eine deutliche Verbesserung hinbekommen haben. Und – ganz klar – dabei auch noch vermeintlich viel Geld gespart haben.

 

Fazit

Grundsätzlich kann ich die Gründe für das Selber-Reinigen verstehen, aber seien wir doch ehrlich:
für solche Experimente ist eine PV-Anlage schlicht zu wertvoll. Ideel und ökologisch. Und in der Anschaffung zu teuer. Deshalb habe ich zum Thema „Selbst Reinigen von Photovoltaikanlagen“ eine ganz klare Meinung, die aus Berufserfahrung gewachsen ist: Es lohnt sich nicht die PV Anlage selbst zu reinigen.

Es gibt eine Ausnahme:
man hat so große Freude am „selbst machen“, dass nichts anderes zählt. Es gibt Menschen, die bauen den neu gekauften Staubsauger erst einmal um. Sonst können sie ihn gar nicht benutzen. Solche „verrückten Typen“ sollen ihre Anlage ruhig selber reinigen – diese Menschen haben so viel „Biss“, dass sie in kurzer Zeit ausreichend professionell sind, um die eigene PV reinigen zu können. Jeder andere PV Eigentümer sollte einen erfahrenen Solarreiniger beauftragen, der die PV-Anlage schadensfrei reinigen kann.

Die Praxis – ein Fallbeispiel:

Das war die Theorie. Jetzt möchte ich Ihnen noch gerne die Thematik des Selber-Reinigens mit Bildern in der Praxis hautnah zeigen:

Bild 1:
Wischspuren mit hartnäckiger Verschmutzung

Bild 2:
Wischspuren in der Nahaufnahme

Bild 3:
Algen und Pilz

Bild 4:
Sichtprüfung: Modulschäden

Bilder 1 und 2:
Werden Teilflächen nicht wirklich gut gereinigt, setzt sich dort sehr schnell wieder eine Nachverschmutzung fest. Eine der großen Herausforderungen in der Solarreinigung ist der sogenannte „unsichtbare Schmutz“. Um sicher zu sein, dass auch diese, mit dem bloßen Auge kaum erkennbare Verschmutzungen restlos entfernt sind, muss man eine gute Arbeitstechnik erlernt haben.
Ein weiterer Fachbeitrag beschäftigt sich mit den „Folgen langjähriger Verschmutzung“ und solitär dichtem Schmutz.

Es ist kein Einzelfall wenn handwerklich geschickte PV-Eigentümer selbst reinigen und sich nach dem 2. oder 3. Mal an verschiedenen Stellen der Modulfläche hartnäckiger Schmutz aufgebaut hat. Immer wird uns beteuert, dass alles restlos gereinigt wurde und die PV-Module so sauber waren wie der Badezimmerspiegel. Niemand hat behauptet, dass eine fachmännische Solarreinigung eine einfache Sache ist. Wie in jedem Beruf braucht es seine Zeit und einen guten Lehrmeister, bis der Blick und die ausführende Hand geschult sind.

 

Bild 3: Viele Anlagenbetreiber die selbst reinigen sind froh, wenn die Modulfläche endlich „sauber“ ist. Wenn dann noch das Schlimmste an Flechten und Moos aus den Modulrahmen „gefetzt“ wurde, geben sich die meisten zufrieden.

Hat man nur die größten „Moospuschel“ aus den Rahmenschlitzen herausgerissen, wird genau durch diese falsche Maßnahmen das Pflanzenwachstum gezielt gefördert. Die Flechten und Pilze wachsen je nach Modultyp in die Tiefe der Rahmen. Herausreissen bringt gar nichts. Im Gegenteil. Ähnlich wie beim Gärtnern wird das Wachstum verstärkt, wenn man den photosynthetisierenden Teil kappt und die Wurzel in der Tiefe verbleibt.

Eine halbherzige Rahmenreinigung gibt den Pflanzen in den Schlitzen zwischen Glas und Rahmen überhaupt erst die Chance sich dort festzusetzen und umfassend auszubreiten. Das dezidierte Ausschwemmen der Modulrahmen ist der einzige Weg langfristigwichtig Rahmenschäden und Delamination zu verhindern. Das Wachstum von Flechten, Moos und Pilzen ist eine der Hauptursachen für eine ganze Reihe von Modulschäden. Wir haben deshalb als Extra-Service und Orientierung für unsere Kunden „eine Flechtenampel“eingeführt.

Bild 4:
Grundsätzlich sollte man in Deutschland davon ausgehen, dass jede Photovoltaikanlage „gemäß VDE 0105-100 und VDE 0126-23 „ spätestens alle 4 Jahre vom Elektrofachbetrieb geprüft wird. Die Realität ist: die meisten PV-Anlagen bis 40KWp sehen nur einen Elektriker, wenn ein Schaden, oder eine massive Störung vorliegt. Deshalb werden sehr viele PV Anlagen über Jahre hinweg nicht einmal auf Sicht geprüft.

Die Erfahrung zeigt, dass ein erfahrener Solarreiniger sehr viele Anomalien und Schäden entdecken wird. In der Solarreinigung bearbeitet man jeden Quadratzentimeter mehrfach. So detailliert wird selbst der Techniker die Module nicht auf Sicht prüfen. Der „normale“ PV-Betreiber kennt gar nicht die Anzeichen für Moduldefekte. Deshalb bleiben beim Selbst-Reinigen viele Anlagendefekte unerkannt.

In unserer Rubrik „Fragen und Antworten“ teilen wir mit Ihnen unsere Erfahrung rund um die Reinigung von Photovoltaikanlagen. Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen und sind natürlich auch gerne für Sie da, wenn Sie die Solarreinigung Ihrer PV Anlage in „gute Hände“ geben möchten.

Flechten und Moos

schnelle Nachverschmutzung

massiver Algenbewuchs

Verkratzungen durch laienhafte PV Reinigung

Flechten und Algen

Schmutzrand unzureichend gereinigt

Neuverschmutzung an einzelnen Modulen

Sichtprüfung: Modulschaden