Muss man eine Photovoltaikanlage tatsächlich reinigen lassen?

Ja, grundsätzlich sollte man jede Photovoltaikanlage in sinnvollen Abständen reinigen lassen. Denn die heute ganz normale Luftverschmutzung und zusätzliche lokale Umwelteinflüsse verschmutzen die Module einer Photovoltaikanlage. Warum Photovoltaikmodule konkret verschmutzen und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, dokumentiert die Ökologische Solarreinigung seit dem Jahr 2007 bei ca. 100 Photovoltaik Anlagen über deren Laufzeit hinweg. Diese Ergebnisse führen wir in aktualisierter Form in unserem „Leitfaden für das rechtzeitige Reinigen von Photovoltaikanlagen“ zusammen. Somit ist unser Leitfaden auch für Ihre PV Anlage ein recht gutes Hilfsmittel, um den richtigen Zeitpunkt für eine Photovoltaik Reinigung zu ermitteln.

Sind Photovoltaik Anlagen nicht selbstreinigend?

Eigentlich bedarf es keiner wissenschaftlichen Studie, um die Frage zu klären, ob es sinnvoll ist eine PV-Anlage zu reinigen. Warum sollte auch das Reinigen von Autos, Gartenmöbel und Fensterscheiben einerseits erforderlich sein und für Photovoltaikanlagen gelten wiederum ganz andere Regeln?

Fakt ist, Photovoltaikmodule sind derselben Umweltverschmutzung ausgesetzt wie das restliche Gebäude. Darüberhinaus sind die Frontgläser einer PV-Anlage vor allem auf die Lichtdurchlässigkeit optimiert. Denn das Solarglas ist ein Nadelöhr für das einfallende Sonnenlicht. Für den Modulhersteller gilt es also mit diesem Faktor den Wirkungsgrad der Module zu verbessern.

Tatsächlich haben Hersteller unterschiedliche Glasqualitäten und Oberflächencharakteristika, das heißt manche Module schmutzen schneller an und andere weniger. Das Solarglas einiger Modulhersteller lässt sich deshalb auch leichter reinigen, bei anderen hingegen frisst sich der Schmutz förmlich im Glas fest.

Gibt es selbstreinigendes Solarglas?

Wäre es der Industrie tatsächlich gelungen komplett selbstreinigende Gläser zu entwickeln, wären diese bestimmt nicht nur in Photovoltaikmodulen verbaut. Der deutlich lukrativere Markt wäre das Fensterscheibenglas und die Gläser für die Automobilindustrie. Solange Sie also noch Ihr Auto waschen und die Fenster putzen müssen, ist auch das Reinigen Ihrer Photovoltaikanlage von Zeit zu Zeit sinnvoll.

Auch steile Photovoltaikanlagen muss man bedarfsgerecht reinigen

starke Verschmutzung belastet die Zelle durch Abschattung

die Verschmutzung ist vom Boden aus häufig nicht zu erkennen

bei steilen Dächern ist der Schmutz vom Boden aus schwer erkennbar

Man muss immer die Rahmenschlitze und das Glas einer Photovoltaikanlage gleichermaßen reinigen

teilgereinigte Photovoltaik Module

Eine Photovoltaik Anlage muss auf dem Glas und im Rahmenschllitz gereinigt werden

Die Nuten zwischen Glas und Rahmen müssen ebenfalls gut ausgeschwemmt werden

Reinigung, Service und Zukunftsfähigkeit einer Photovoltaikanlage

5 Tipps für den langjährig erfolgreichen Betrieb einer Photovoltaikanlage

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: jeder Photovoltaikstandort ist anders, die Glasqualität der Modulhersteller ist verschieden und die Verschmutzung hat überall eine andere Zusammensetzung. Wer jedoch ein paar Grundprizipien beherzigt, kann mit dem erfolgreichen Betrieb seiner Photovoltaikanlage über sehr viele Jahre Freude haben.

Tipp 1:

Nur an ganz wenigen Standorten mit hohen Emissionen wird die Photovoltaikanlage wegen Ertragsverlusten gereinigt. Es gilt vielmehr die materialschädigende Langzeitverschmutzung zu vermeiden. Weil Langzeitverschmutzung ausnahmslos zu Materialermüdung und Korrosion führt, sind die Reinigungsintervalle für Photovoltaik Anlagen unabhängig vom Stromertrag zu ermitteln.

Tipp 2:

Führen Sie zumindest einmal pro Jahr eine Sichtprüfung der Photovoltaikanlage durch. Die PV-Anlage ist ein technisches Bauteil, das den Extremen im Aussenbereich ausgesetzt ist. Hier kann sich immer etwas verschieben, lösen oder abreissen, das sollte man als Betreiber regelmäßig überprüfen. Den Verschmutzungsgrad der Module erkennen Sie bei bedecktem Himmel und trockenen Modulen am besten.

Tipp 3:

Das Erzeugen von Strom ist eine Entscheidung, die neben vieler Vorteile auch Verpflichtungen beschert. Der Betreiber einer Photovoltaikanlage ist also juristisch dafür verantwortlich, dass die Anlage gut funktioniert und keine Gefahr davon ausgeht. Ein tournusgemäßer technischer Service und die bedarfsgerechte Reinigung  sind somit selbstverständlicher Teil im Betrieb einer PV Anlage. Der Fachbetrieb prüft und erkennt, ob mit Ihrer Anlage alles in Ordnung ist, und übernimmt dann auch die Haftung dafür. Moderne Qualitätsmodule können Sie dann aber auch über zumindest 30-40 Jahre erfolgreich nutzen.

Tipp 4:

Wer geht mit seinem € 80.000 Neuwagen in die Hinterhof-Werkstatt? Suchen Sie sich deshalb für den technischen Service und für das Reinigen der Photovoltaikanlage jeweils erfahrene, gewissenhafte Fachbetriebe. Aus 20 Jahren Branchenerfahrung raten wir definitiv ab von Allround-Handwerkern und Bauchladen-Firmen.

Tipp 5:

Bleiben Sie am Ball. Mit einer Photovoltaikanlage ist es wie mit dem PC oder dem Smartphone. Ein neues Programm oder eine zusätzliche Hardware kann den Nutzen des Gerätes enorm steigern und ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Die Installation einer Photovoltaikanlage ist daher ein erster wichtiger Schritt für die Stromautarkie und ein wertvoller Beitrag für das Gemeinwohl. Die technische Entwicklung in der Branche geht jedoch weiter und hier entstehen interessante Möglichkeiten für ökologisch und ökonomisch sinnvolle Zusatznutzen. Eine EEG-Bestandsanlage ist tatsächlich zu wertvoll, um sie nach 20 Jahren auf dem Dach weiterdümpeln zu lassen und den Strom für ein paar Cent zu verschenken.